Spatenstich für Limes-Wachtturm im Wald von Rommelhausen - "Ab in die Mitte-Projekt"
„Es ist so weit, wir bauen einen Limes-Wachtturm.“ Gutgelaunt begrüßte Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig Vertreter aus der Kommunalpolitik, der Landes- und Kreisarchäologie, der heimischen Wirtschaft, der beteiligten Baufirmen, der Gemeindegremien sowie interessierte Bürger auf historischem Grund und Boden im Wald bei Rommelhausen. Dort soll in den nächsten drei Jahren ein an die Römerzeit erinnernder, etwa zehn Meter hoher Wachtturm in der Nähe jener Stelle gebaut werden, auf der einst ein solcher Turm stand und an der der römische Grenzwall verlief.
Mit einem symbolischen Spatenstich fiel am Samstag der Startschuss für die erste Bauphase. Die Gäste bekamen im Zuge eines Aktionstages einen Eindruck, wie die Römer einst einen Wachtturm dieser Art gebaut haben. Darsteller in römischer Kleidung erklärten zum Beispiel sehr anschaulich, welche Werkzeuge damals benutzt wurden.
Die Veranstaltung war zentrales Ereignis des Limeshainer Beitrags zum Landeswettbewerbs „Ab in die Mitte“, bei dem die Gemeinde mit ihrem Motto „Limeshain - einfach grenzenlos gut“ zu den Landessiegern zählte. Weitere Aktionstage sollen folgen, an denen unter anderem Steine geklopft werden, mit Natursteinen aus einem nahen Steinbruch gemauert und das Dach gedeckt wird - so entsteht schließlich der Turm. Wissenschaftliche Unterstützung erfährt die Gemeinde dabei durch die Denkmalpflege des Wetteraukreises und des Landes.
Adolf Ludwig ging in seiner Rede auf die Bedeutung des Limes-Wachtturmes ein. „Das Bauwerk ist eine kulturelle Bereicherung“. Es reihe sich neben dem keltischen Landesmuseum in jene kulturhistorischen Orte der Region ein, die Geschichte erlebbar machten. Die Gemeinde, so der Bürgermeister, trage als einziger Anrainer des römischen Grenzwalls den Limes, den die Unesco 2005 zum Weltkulturerbe erklärt hatte, im Namen und den Turm im Wappen. Auf der gesamten östlichen Wetteraustrecke finde sich keine weitere Turmrekonstruktion. Der Nachbau passe prima in die Regionalparkroute Limes. „Er bildet eine sinnvolle Ergänzung für das Projekt Archäologielandschaft Wetterau“, so Ludwig.
20 der 22 rekonstruierten Wachttürme in Deutschland finden sich am 550 Kilometer langen Limes-Verlauf. „Der geplante Bau in Limeshain soll sich soweit wie möglich an den antiken Vorbildern orientieren“, machte Ludwig deutlich. Dennoch werde den modernen Bauanforderungen Rechnung getragen. So werden Besucher den Wachtturm später besichtigen können.
Schon 1999 hatte der Geschichts- und Kulturverein Limeshain (GKL) die Idee zur Rekonstruktion eines Wachtturms. Diese Idee wurde von einer breiten politischen Mehrheit in Limeshain und auch von vielen Bürgern mitgetragen und verfolgt, erinnerte der Bürgermeister an die Anfänge.
„Sie erleben hier Geschichte in einer Zeit, da Globalisierung ein alles beherrschendes Thema ist“, sagte Landrat Joachim Arnold und betonte die Notwendigkeit „das Erbe für die nächste Generation zu erhalten“. Zur Freude Ludwigs, den Arnold für sein Engagement um das Erhalten von Zuschüssen würdigte, kündigte er an, dass auch die OVAG sich an dem Projekt beteiligen wird. Die stellvertretende Landesarchäologin Dr. Vera Rupp lobte die Menschen vor Ort, die sich schon für die Rekonstruktion eines Limes-Wachtturmes einsetzten, als der Limes noch kein Weltkulturerbe und auch die experimentelle Archäologie noch längst nicht in aller Munde war. Die Vorsitzende des GKL, Stine Kockrick, sah in dem Nachbau ein Projekt für die gesamte Gemeinde. Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal gab Einblick in die Vorgehensweise bei der Rekonstruktion. „Die Dauer von drei Jahren Bauzeit bietet allen Interessierten die Möglichkeit, einmal mit anzupacken. Es muss keine bierernste Geschichte werden“, so Lindenthal.
Markus Kissel, Vertriebsleiter der Mitteldeutschen Hartstein Industrie (MHI), überreichte Adolf Ludwig einen ersten Basaltstein, mit dem später der Turm gebaut wird. Die ersten 20 Tonnen liefert das Unternehmen kostenlos, und auch der Rest werde nahezu zum Selbstkostenpreis abgegeben. Finanzielle Unterstützung in Höhe von 2.500 Euro kam bereits von der Sparkasse Oberhessen. Marco Schneider, Vertriebsdirektor des Geldinstituts in Limeshain, sagte, man sei als größter nicht staatlicher Unterstützer der Kultur froh, dabei zu sein.
Die Rekonstruktion des Limeswachtturms kostet 238.000 Euro. Mit 120.000 Euro wird das Projekt aus dem EU-Leader-Förderprogramm für strukturschwache Regionen bezuschusst. Dabei waren unter anderem die ersten Baupläne, erstellt vom mittlerweile verstorbenen Erwin Dietz, eine Grundlage, dass die Mittel flossen, wie Lindenthal in seiner Rede betonte. Adolf Ludwig dankte auch Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger vom Regionalmanagement und Verein Oberhessen für ihre Unterstützung bei den Anträgen. Mit 20.000 Euro unterstützt der GKL den Nachbau. Eine beachtliche Summe kam auch von einem anonymen Spender, verriet Ludwig.
Thomas Becker, Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Limesbeauftragter, nahm die Gäste beim Spatenstich des neuen Limes-Wachtturms mit auf eine Zeitreise, die in die Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christi führte. "Wir stehen jetzt an einer Grenze, die schon länger besteht", bat er seine Zuhörer, sich die Situation vorzustellen. Die Römer haben sich nun zu einer endgültigen Grenzlinie entschlossen und damit zum Bau eines steinernen Wachtturmes. Der Vorgänger aus Holz hatte seinen Dienst getan, fuhr Becker fort. Deshalb wird die örtliche personelle Besetzung an der Genzlinie - die vielleicht aus Altenstadt oder Marköbel kam - mit dem Bau eines Wachtturmes aus Stein beauftragt. Weil zu dieser Zeit keine direkte Gefahr drohte, trugen die Soldaten hauptsächlich Arbeitskluft. Vom naheliegenden Lagerdorf versorgten Frauen die Soldaten mit Essen, malte der Archäologe sein Bild weiter aus. Tatsächlich duftete es nach Grillwürstchen nach römischem Rezept und dem Würzwein Mulsum, beides von Mitgliedern des GKL serviert.
Sich die Szenerie vorzustellen, fiel den Besuchern deshalb gar nicht schwer, standen doch einige passend gekleidete "Römer" auf dem gerodeten Platz im Rommelhäuser Wald. Sie waren dabei, das Gelände für den Bau zu vermessen, ganz authentisch, nach dem römischen Fußmaß, was 29,6 Zentimetern entspricht. Als Maßbänder verwendeten sie wie einst die Römer Seile, in die im Abstand von einem Fuß jeweils Knoten geknüpft wurden. Anwendung fand bei den Berechnungen außerdem der Satz des Pythagoras, a²+b²=c².
Der Startschuss zum Vermessen erfolgte durch einen römischen Verwalter und Beneficiarier, dargestellt von Günter Stelz, der mit Mitgliedern der Darstellungsgruppe Limitanei Taunensis und Tabula Rasa ebenso wie die römisch gekleideten Mitglieder des GKL die Veranstaltung bereicherte. "Auf Anordnung unseres Kaisers, vertreten durch den Statthalter, werden die bisher am Limes in Holz erbauten Wachttürme in Stein erneuert." Denn die Holztürme hatten nur eine kurze Nutzungsdauer, die Brandgefahr war groß und sie mussten ständig ausgebessert werden. "Alle Türme werden weiß verputzt und mit rotem Fugenstrich versehen, um den Barbaren die Überlegenheit Roms ständig vor Augen zu führen. ...die Besetzung besteht aus sechs milites-cohortis. Im Namen des Imperators Caesar", schloss der römische Verwalter seine Ansprache. Als mit Weihrauch umhüllte römische Priesterin erflehte anschließend Annette Miksch den Segen Jupiters, dem Göttervater und Gott des Lichts und des Himmels. Den wohlklingenden Abschluss sezte Trompeter Hagen Pätzold. Auf dem Cornu huldigte er mit einer Hymne der Schicksalsgöttin Nemesis.
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