Der ehemalige Garten der Edith Kölsch ist ein Kleinod angrenzend an die Mauern zur Altstadt. Seit der Eröffnung 2003 kümmert sich eine Gruppe Ehrenamtlicher unermüdlich um die Pflege. Landschaftsarchitektin Anette Schött plant die Bepflanzung. Berk hat die Bilder vom ursprünglichen Garten im Kopf. Damals standen hier deutlich mehr Obstbäume, erzählt er. Als Pomologe hat er sein Wissen über Jahre verfeinert. Gut für die Auszubildenden, die mit Astschere und Leiter ausgerüstet seinen Erklärungen folgen. Fünf zentrale Tipps gibt er ihnen mit auf den Weg. Geübt wird an einer Goldparmäne. Die jungen Leute stellen zwei Leitern an. Schnell sammelt sich unter dem Baum ein Haufen Reisig an.

Grobschnitte vermeiden
Große Schnittwunden sind grundsätzlich problematisch. Die oft zitierte „8‑Zentimeter‑Regel“ ist keine feste Vorschrift, aber ein brauchbarer Richtwert: Ab einer gewissen Größe steigt das Risiko für den Baum deutlich. Ist ein dicker Ast morsch, sollte er möglichst nicht komplett entfernt, sondern über Seitenäste reduziert werden. So bleibt die Schnittstelle kleiner und die Krone stabiler. Wer oben zu stark kappt, provoziert Wassertriebe und instabile Neuaustriebe. Besonders alte Bäume reagieren empfindlich, da große Wunden schlechter abschotten und Fäulnis begünstigen.
Auch Krankheiten wie die Rotpustelkrankheit oder Apfeltriebsucht können über Werkzeuge übertragen werden. Deshalb empfiehlt Berk den Lehrlingen, Säge und Schere beim Wechsel zwischen Bäumen mit einer alkoholhaltigen Lösung zu desinfizieren.

Wassertriebe: nicht alle wegschneiden
Die dünnen keck, in die Höhe schießenden Äste beobachtet man oft. Diese einjährigen Triebe, man nennt sie auch Wassertriebe. Sie komplett zu entfernen, wäre jedoch ein Fehler. Der Baum würde nur umso energischer nachproduzieren. Sinnvoller ist es, gezielt auszudünnen und einzelne Triebe zur Ableitung oder Beschattung stehen zu lassen.
Mit der natürlichen Struktur arbeiten
Ein Grundsatz lautet: mit dem Baum schneiden, nicht gegen ihn. „Köpfen“, also das radikale Kappen von Kronenteilen, ist tabu. Es zwingt den Baum zu Ersatztrieben und schwächt langfristig die Statik. Die großen Leitäste bilden das Gerüst der Krone und stabilisieren sie. „Drei bis vier nach oben strebende Hauptäste formen idealerweise eine Art Trichter“, informiert Kimmi.
Schonender ist der Ableitungsschnitt: Die Krone wird über geeignete Seitenäste reduziert, ohne harte Brüche zu erzeugen. So bleibt das Fruchtholz unten, und die Ernte ist in drei bis fünf Metern Höhe möglich. Gut für denjenigen, der nicht in der Krone nach Äpfeln hangelt.
Sauber und richtig schneiden

Sophia setzt die Astschere an. Ein sauberer Schnitt erfolgt am Astring, also am Astkragen. Dort kann der Baum die Wunde am besten verschließen. Wichtig ist ein glatter Schnitt ohne Stummel, aber auch ohne in den Astring hineinzuschneiden. Ein leicht schräger Winkel hilft, damit Wasser abläuft. Wundverschlussmittel wie Lackbalsam gelten heute als überholt, da sie Pilze eher einschließen als fernhalten.
Der passende Zeitpunkt
Den einen perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Obstbäume lassen sich grundsätzlich zu verschiedenen Jahreszeiten schneiden. Ein Winterschnitt regt das Wachstum an, der Sommerschnitt bremst es und fördert oft eine bessere Wundheilung, weil der Baum „im Saft“ steht. Sobald der Austrieb stark einsetzt oder die Blüte beginnt, schneidet Berk nicht mehr.
Es gibt zudem naturschutzrechtliche Vorgaben: Zwischen 1. März und 30. September sind radikale Rückschnitte außerhalb gärtnerisch genutzter Flächen verboten. Schonende Pflege- und Formschnitte können erlaubt sein. Unabhängig vom Datum gilt: Rücksicht auf brütende Tiere ist Pflicht.
Info
Die Ausbildung zur Gärtnerin oder zum Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau bei der Landesgartenschaugesellschaft dauert drei Jahre. Der interkommunale Ausbildungsverbund ist neu und wurde in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen entwickelt. Wie die Landesgartenschau selbst ist auch die Ausbildung interkommunal organisiert: Die LGS gGmbH arbeitet mit Kommunen und GaLaBau-Betrieben zusammen. Die Auszubildenden sind unter anderem in den Bauhöfen von Echzell und Büdingen im Einsatz.
