Die Landesgartenschau ist kein bloßes Sechs-Monats-Projekt. Vielmehr geht es um eine dauerhafte Aufwertung des Parks und damit auch der Stadt. Neue Wege, bessere Aufenthaltsqualität, moderne Infrastruktur und mehr Barrierefreiheit sollen nicht nur den Gästen der Gartenschau zugutekommen, sondern vor allem den Menschen vor Ort. Der Park sei schon heute für viele ein wichtiger Ort, betonte Bürgermeister Guido Kempel. Sei es für die Bewohner der benachbarten Seniorenheime, Familien mit Kindern oder Spaziergänger. Künftig soll er jedoch in allen Bereichen deutlich besser nutzbar werden.

Die Wege werden erneuert und so ausgebaut, dass der Park weitgehend barrierefrei ist. „Nicht jeder Abschnitt kann wegen der Topografie völlig ohne Steigung oder Stufen auskommen“, erläuterte Hellingrath. Aber jede Ecke des Parks wird über alternative Wege erreichbar sein. Dazu tragen auch neue Beläge bei, die optisch an wassergebundene Decken erinnern, tatsächlich aber befestigt und damit komfortabel befahr- und begehbar sind.
Im ehemaligen Barockgarten entsteht ein besonderer Akzent: ein sogenanntes Geophyten-Rondell mit Sitzbereich und spezieller Bepflanzung. Der Weg und die dort angelegten Pflanzen sollen das historische Farbspiel des Schlosses aufnehmen und den Bereich gestalterisch aufwerten. Überhaupt wird der Park nicht nur funktional modernisiert, sondern in seinem historischen Charakter wieder stärker herausgearbeitet. Das zeigt sich auch an freigelegten Sichtachsen. Von mehreren Stellen aus ist das Schloss nun wieder besser zu sehen, weil der Park, der an manchen Stellen zugewuchert war, in seiner ursprünglichen Terrassierung deutlicher hervortritt.
Großes Interesse hatten die Besucherinnen und Besucher auch an den technischen und ökologischen Details. So wurden unter dem Gleisbereich der Draisine drei große Zisternen eingebaut, die künftig Regenwasser sammeln. Das Wasser wird später für die Bewässerung des Parks genutzt. Auch an anderer Stelle wird Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Wiesenflächen werden mit regionalem Saatgut eingesät, teilweise extensiv gepflegt und damit ökologisch aufgewertet. Das fördert die Biodiversität und sorgt zugleich für ein attraktives Bild.
Eindrucksvoll ist auch die Umgestaltung im Bereich der früheren Tennisplätze. Das Tennisheim steht zwar noch, wird nun aber abgerissen. Wo sich im Augenblick noch Berge mit Schutt und Erde befinden, entsteht der Beratungsgarten des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, in dem Besucher während der Gartenschau praktische Tipps für Gemüse-, Obst- und Ziergärten erhalten. Nach der Landesgartenschau wird dieser als Schulgarten weitergenutzt. Ergänzt wird das durch das Bunte Klassenzimmer. Umweltbildung, Workshops und Angebote für Schulen, Vereine und Familien sollen dort einen festen Platz bekommen.

Hinzu kommt der PikoPark, ein naturnaher kleiner Stadtpark, der mit Bürgern entwickelt wurde und ebenfalls dauerhaft erhalten bleiben soll. Dort geht es um heimische Wildpflanzen, ökologische Zusammenhänge und Aufenthaltsqualität. Planer Ralf Geyer erklärte: „Wir setzen auf blütenreiche Flächen, Sträucher, Wasserbezüge und Sitzmöglichkeiten – ein Ort, an dem Natur nicht geschniegelt wirkt, sondern lebendig ist.“
Wie in Bad Salzhausen und Büdingen wird auch in Gedern eine neue Spielfläche entstehen – hier mit dem Schwerpunkt Fachwerk für Alt und Jung auf der mittleren Terrasse. Ein weiterer Höhepunkt ist der auf einem Teilstück renaturierte Mühlbach, der nun verspielt durch den Unteren Schlosspark mäandert. Hier treffen Ökologie, ein Stück Hochwasserschutz und die Schaffung eines schönen Platzes zusammen. Ein weiterer Höhepunkt ist der Klimahain als schattiger Rückzugsort am Mühlbach mit Blick auf die Veranstaltungsfläche auf der Kälberweide. Dort wird während der Landesgartenschau eine große Bühne mit überdachten Sitzplätzen stehen. Regelmäßig sind größere und kleinere Veranstaltungen geplant, im Wechsel mit Bad Salzhausen.
Am Ende der Führung blieb der Eindruck: In Gedern wächst nicht nur ein Ausstellungsgelände, sondern ein Park mit Zukunft. Oder, wie es ein Besucher formulierte: Man kann sich jetzt erstmals wirklich vorstellen, was hier entsteht.
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Und die Parkplätze?
Wie sieht es mit den Parkplätzen aus? Für Gedern sind zum Beispiel etwa 250 temporäre Parkplätze in Verlängerung der Otto-Müller-Straße vorgesehen, dazu kommt der neu sanierte Parkplatz in der Ober-Seemener Straße. Für die Besucher wird ein kostenloser Shuttle zwischen Bad Salzhausen und Gedern angeboten. Auch werden Züge und der Vulkan-Express in engerer Taktung fahren. An der Kälberwiese, wo der zweite Eingang zum Schlosspark sein wird, entstehen Wohnmobilstellplätze. Wer ein Tagesticket kauft, kann den anderen Hauptstandort an einem anderen Tag besuchen. Für das Catering wird sowohl im Schlosshof als auch auf dem Gelände gesorgt.
