Was bedeutet „Entsiegelung“ überhaupt?
Unter Asphalt, Beton und dichtem Pflaster ist Boden ganz oder teilweise von seiner Umgebung abgeschnitten. Regen dringt nicht oder nur eingeschränkt ein. Entsiegeln bedeutet, eine solche Befestigung zurückzubauen und den Boden wieder durchlässig und möglichst bepflanzbar zu machen. Dafür reicht es oft nicht, nur die obersten Steine herauszunehmen: Auch ein verdichteter Untergrund muss geeignet vorbereitet werden.1, 2
Eine bisher gepflasterte Fläche kann beispielsweise zum Beet werden. Wo ein befestigter Weg weiterhin nötig ist, kann ein geeigneter wasserdurchlässiger Aufbau eine Alternative sein. Das ist eine Teilentsiegelung und erfüllt andere Aufgaben als eine offene, bepflanzte Bodenfläche.3
Wie viel Boden ist bereits versiegelt?
In Deutschland sind nach Schätzungen des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2023 rund 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Bezogen auf die gesamte Bundesfläche sind es rund 6,6 Prozent – also etwa jeder fünfzehnte Quadratmeter.3
Auch in Hessen ist die Größenordnung beachtlich: Der Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeitsstrategie nennt für 2022 einen versiegelten Anteil von 7,4 Prozent der Landesfläche. Das entspricht ungefähr jedem vierzehnten Quadratmeter.4
Zehn Quadratmeter – und plötzlich geht es um 200 Liter
Stellen Sie sich eine Fläche von zwei mal fünf Metern vor. Bei einem kräftigen Regenguss können innerhalb einer Stunde beispielsweise 20 Liter Regen auf jeden Quadratmeter fallen. Auf unserer Beispielfläche von 10 m² kommen dabei 200 Liter zusammen – so viel wie in 20 volle Zehn-Liter-Gießkannen passt.
Eine begrünte, durchlässige Fläche kann einen Teil dieses Wassers aufnehmen. Wie viel tatsächlich versickert, hängt vom Boden und davon ab, wie nass er bereits ist.
Wie viel kleine Veränderungen bewirken können, zeigt eine einfache Rechnung: Wenn 100 Haushalte jeweils zehn Quadratmeter unnötiges Pflaster durch bepflanzten Boden ersetzen, entstehen zusammen 1.000 Quadratmeter mehr Grün.
Was haben Sie persönlich davon?
Mehr Grün kann den Bereich vor dem Haus angenehmer machen: Pflanzen verdunsten Wasser, größere Pflanzen können Schatten spenden. Mit passenden Blütenpflanzen entstehen außerdem Nahrung und Lebensraum für Tiere. Offener Boden kann wieder an den natürlichen Wasserhaushalt angeschlossen werden.1, 2
Eine kleine Fläche ersetzt allerdings weder eine fachgerecht geplante Grundstücksentwässerung noch den Schutz gefährdeter Keller. Bei heftigem Regen kann auch ein Garten an seine Aufnahmegrenze kommen.3, 5
Wo lohnt sich der erste Blick?
Suchen Sie zunächst nach Flächen, die im Alltag kaum genutzt werden: einem überflüssigen Plattenweg, einer gepflasterten Ecke oder einem breiten Rand neben einem notwendigen Zugang. Der erste Kandidat muss nicht groß sein. Wichtig ist, dass er tatsächlich entbehrlich ist.
Wege zur Haustür sollen sicher und gut nutzbar bleiben – auch mit Rollator oder Kinderwagen. Notwendige Zufahrten und Stellplätze sind keine Flächen, die man ungeprüft entfernt. Bei Unsicherheit hilft die jeweilige Bauverwaltung, die einschlägigen örtlichen Vorgaben zu klären. Beide Gemeinden stellen dafür auch Informationen zu Satzungen beziehungsweise Bebauungsplänen bereit.6, 7
Und wenn ich wenig Zeit für Gartenpflege habe?
Dann sollte die spätere Pflege von Anfang an Teil der Planung sein. Ein kleiner, standortgerecht bepflanzter Bereich kann ein überschaubares Projekt sein. Ganz ohne Arbeit geht es aber nicht: Auch ein neues Beet braucht Aufmerksamkeit. In einem der nächsten Beiträge zeigen wir deshalb, worauf es bei einem pflegearmen Vorgarten ankommt – von der Pflanzenauswahl bis zur Pflege nach der Anlage.
Ihr erster Schritt: erst schauen, dann planen
Gibt es auf Ihrem Grundstück eine gepflasterte Ecke, die Sie kaum nutzen? Oder einen alten Gartenweg, der eigentlich überflüssig geworden ist? Schauen Sie zunächst, welche Flächen Sie im Alltag wirklich brauchen – etwa als Zugang, Stellplatz oder Platz für die Mülltonnen. Fotografieren Sie eine möglicherweise entbehrliche Fläche und notieren Sie, was Sie sich dort stattdessen wünschen: vielleicht ein blühendes Beet oder einen kleinen Strauch. Dafür müssen Sie weder die Bodenbeschaffenheit beurteilen noch Steine herausnehmen.
Im nächsten Beitrag erfahren Sie, welche Flächen sich besonders eignen und wann fachlicher Rat sinnvoll ist.
Quellen und weiterführende Informationen zum Artikel
1. Umweltbundesamt: Bodenversiegelung – Auswirkungen auf Boden, Wasser und Kleinklima.
2. Stadt Aachen: Entsiegelung von Privatflächen – Arbeitsschritte und Hinweise zum Untergrund.
3. Umweltbundesamt: Regenwasserbewirtschaftung – Entsiegelung, Versickerung und durchlässige Beläge.
4. Hessisches Statistisches Landesamt: Nachhaltigkeitsstrategie Hessen – Fortschrittsbericht 2024 – Ziele und Indikatoren.
5. HLNUG: Fließpfadkarten – Orientierung über mögliche Wasserwege und Grenzen der Kartenaussage.
6. Gemeinde Limeshain: Satzungen.
7. Gemeinde Hammersbach: Gemeinde-Website → Bauen & Wirtschaft → Bebauungspläne; Rathaus & Politik → Ortsrecht & Satzungen.
